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Montag, 25.09.2017

Es wird niemanden verblüffen, dass ich schlecht gelaunt bin. Und wenig Lust habe, mich über Sport zu unterhalten.

Ich wache heute in einem Land auf, in dem die Schnullernazis mit ca. 13% in den Bundestag eingezogen sind. Da kann man schon mal schlecht gelaunt sein, finde ich.

Ich darf trotzdem die mir wichtigste Bemerkung von gestern wiederholen:

“Das ist ein Rechtsruck. Nichts anderes.

Aber nicht erst heute. Diese Bundestagswahl ist ein Abbild der politischen, medialen und gesellschaftlichen Wirklichkeit in Deutschland in den letzten Jahren.”

So unwohl ich mich fühle. Bin ich ehrlich zu mir, dann hat sich an meiner Realität durch dieses Wahlergebnis nichts geändert. Ich wache in exakt derselben Realität auf, in der ich gestern oder vorgestern aufgewacht bin.

Eine Realität, in der heute Abend live auf BÄH Waldhof Mannheim gegen TuS Koblenz spielt (viel Spaß). Und Union Die Region empfängt. Für beide letztgenannten sicher ein wegweisendes Spiel in Bezug auf ihre diesjährigen Ambitionen.

Und heute kommt auf Netflix die erste Folge von Star Trek Discovery. Vergessen wir das nicht.

Ansonsten ging heute höchstwahrscheinlich die Sonne auf und wird sicherlich heute Abend auch wieder untergehen.

Die Tage ging in meinen Kreisen ein Zitat von Erich Kästner viel herum, in dem es heißt, die Ereignisse von 1933 bis 1945 hätten spätestens 1928 bekämpft werden müssen. Später sei zu spät gewesen. So sehr ich die dahinter stehende Motivation teile: Das ist doch Quatsch. Wir haben nicht 1928. Wir haben nicht, nebenbei erwähnt, 1988 und das ist unser Problem mit diesen Leuten, die unbedingt 1958 zurück haben wollen. Die Gefahr ist real und sie steht vor unser Tür und sie begehrt Einlass. Aber so zu tun, als seien die Schnullernazis in der Situation, demnächst in diesem Land komplett die Macht zu übernehmen, ist ja irgendwie auch Unfug.

Solange sie dies nicht über Bande dank Leuten bewerkstelligen, die “rechte Flanken schließen” oder “Sorgen ernst nehmen” wollen. Aber auch dies ist nichts anderes als gestern oder vorgestern.

Würde ich die Gewissheit, endlich eine richtig gute neue Star-Trek-Serie zu bekommen, eintauschen gegen z.B. 7 % für die AFD gestern? Oder dafür, dass Die Region die nächsten fünf Spiele verliert? Solange ich bei dieser Frage zögere, solange ist entweder meiner Realitätswahrnehmung kaputt oder die Realität nicht so kaputt, wie wir alle (mich eingeschlossen) tun.

Um den Bogen zumindest etwas zurück zum Topic “Medien-Beobachtung” dieser schmierigen kleinen Webpräsenz zu schlagen: Ich erinnere mich noch sehr genau, wie die Piraten erst hochgeschrieben wurden, um dann später noch deutlicher niedergeknüppelt zu werden. Nicht dass sie dafür keine eigenen Anlässe gesetzt hätten (meine Güte, echt nicht). Aber ich habe wohl noch nie so sehr darauf gehofft, dass die Masse an einflussreichen Journalisten aus etwas nicht gelernt hat.

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Sonntag, 24.09.2017

“Wählen gehen! Ihr müsst unbedingt heute wählen gehen! Und ich muss jedem mitteilen, dass ich jeden, den ich kenne, dazu aufrufe!”

Ach ficken.

Macht doch, was ihr wollt. Ich gehe davon aus, dass jeder, der dies liest, alt genug ist, diese Entscheidung selber zu treffen. Selbst diejenigen, die qua Alter nicht wahlberechtigt sind.

Ich persönlich bin ja bekanntlich sehr nah am Pathos gebaut und ich empfinde daher meinen kurzen Spaziergang heute tatsächlich als Hochamt der Demokratie. Ich weiß zwar jetzt schon, dass ich meine Wahlentscheidung mit Bauchschmerzen treffen werde. Aber letztlich geht es doch bei der repräsentativen Demokratie genau darum: Etwas zu wählen, was einem die wenigsten Bauchschmerzen bereitet. Demokratie bedeutet schließlich Ausgleich von Interessen. Und wenn die Interessen von ca. 61,5 Millionen Leuten auf einen Nenner gebracht werden sollen, dann wäre es schon sehr seltsam, würde ein Teilnehmer mir ein Angebot bereiten, dass mir gar keine Bauchschmerzen bereitet.

Ich werde heute also von meinem Wahlrecht Gebrauch machen. Ob Ihr das auch tut oder nicht, das ist allein Eure Sache.

Gleichwohl: Wer immer von Euch heute nicht oder die AFD wählt, der darf sich meiner persönlichen Verachtung sicher sein.

Auch diese Bemerkung wird niemandes Entscheidung beeinflussen. Ich wollte es nur ausgesprochen haben.

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Freitag, 22.09.2017

Ich weiß, ich sage das jedes Mal. Und an sich finde ich englische Wochen auch ziemlich geil. Aber das heut schon wieder der nächste Bundesliga-Spieltag beginnt, irgendwie bekomme ich das nicht verarbeitet.

Plus: Obligatorisches “Viel Spaß mit den Bayern-Fans!” an die Nutzer des Eurosport-Players.